Weitwanderweg · Tirol
Adlerweg
Von Kufstein bis ins Lechtal: 24 Etappen durch das ursprüngliche Tirol, in vier Portionen auch für ein langes Wochenende.
Berg & Weitwandern
Von der ersten Alm bis zum Gipfelkreuz: Österreichs Steige führen durch stille Wälder, über Almwiesen und hinein in eine Stille, die man sich Schritt für Schritt verdient.
Gehen, ganz einfach
Wer den Berg wirklich kennenlernen will, muss ihn erwandern. Kein Sessellift, kein Auto, kein Bildschirm kann ersetzen, was ein Steig durch den Nadelwald mit einem macht: der Atem wird ruhiger, der Schritt findet seinen eigenen Takt, und irgendwo zwischen der letzten Kehre und der Baumgrenze verliert man die Uhr aus den Augen. Gehen ist die älteste Art, ein Land zu verstehen — und in Österreich hat sie eine lange Tradition.
Schon die ersten Sonnenstrahlen bringen den Duft von feuchtem Moos und Latschen aus dem Wald, weiter oben riecht die Luft nach Kräutern und kühlem Fels. Kuhglocken läuten aus dem Nebel, eine Gams steht für einen Wimpernschlag reglos am Grat. Und irgendwann, nach drei, vier Stunden, taucht sie auf: die Almhütte mit dem rauchenden Kamin, dem Holztisch in der Sonne und einer Brettljause, auf die man sich den ganzen Anstieg über gefreut hat.
Der Einkehrschwung gehört zum Wandern wie das Gipfelkreuz zum Gipfel: ein Glaserl Buttermilch, ein Kaiserschmarrn, ein Ratsch mit der Wirtin — und der Weg zurück ins Tal fühlt sich gleich um einiges leichter an.
Wandern in Zahlen
Die Hüttentour der Redaktion
Der große Adlerweg verbindet in Wahrheit 24 Etappen quer durch Tirol, von Kufstein bis an die Grenze zu Vorarlberg. Für ein verlängertes Wochenende haben wir die schönsten vier herausgesucht — von der sonnigen Almwiese bis zum hochalpinen Grat, mit Nächtigung in vier grundverschiedenen Hütten.
Festes Schuhwerk, etwas Kondition und Freude an der Höhe genügen. Der Rest erledigt der Weg von selbst.
Der Adlerweg beginnt sanft: durch Bergmischwald und vorbei an blühenden Bergwiesen steigt der Steig zur Gruttenhütte auf. Der Wilde Kaiser zeigt hier seine schroffste Seite — senkrechte Wände, die schon Generationen von Kletterern angezogen haben.
Über saftige Almflächen unterhalb des Sonnjochs führt die zweite Etappe ins Karwendel, Tirols größten Naturpark. Gämsen stehen oft nur wenige Meter neben dem Steig, und die Lamsenjochhütte ist für ihre Kaspressknödel berühmt.
Jetzt wird's alpin: über Geröllfelder und am Rand der Gletscherwelt der Stubaier Alpen entlang erreicht man die Franz-Senn-Hütte. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind hier Pflicht, die Aussicht auf die Dreitausender die Belohnung.
Die letzte Etappe führt über den Alpenhauptkamm hinunter ins Lechtal, vorbei an der Ansbacher Hütte und durch duftende Latschenfelder. In Steeg wartet zum Abschluss ein Marend-Teller — und die Gewissheit, dass man sich den Kaiserschmarrn redlich verdient hat.
Sechs Touren, ein Land
Von der Genussrunde bis zur alpinen Herausforderung — unsere Redaktion hat sechs Weitwanderwege und Rundtouren ausgesucht, die zeigen, wie unterschiedlich Österreich zu Fuß sein kann.
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Interaktive Landkarte
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Einkehr mit Aussicht
Heuer empfehlen wir drei Hütten, die für sich selbst sprechen: urige Gaststuben, hausgemachte Kost und eine Aussicht, für die sich jeder Höhenmeter lohnt.
Ein herzliches Griaß di an der Tür, dazu Kaspressknödelsuppe und ein Sonnendeck mit Blick auf die Kaisertürme.
Ein historisches Hüttenjuwel mit Blick aufs Waxegg-Kees, deftige Marend und Betten unterm Sternenzelt.
Gemütliche Stube unter den Laliderer Wänden, hausgemachter Kaiserschmarrn und Topfenstrudel wie bei der Oma.
Die richtige Jahreszeit
Nicht jede Höhenlage ist zu jeder Zeit ein Genuss. Ein kleiner Überblick, damit die Tourenplanung heuer gleich gelingt.
Frühling
Solange auf den Gipfeln noch Altschnee liegt, laden die tiefer gelegenen Talwege zum ersten Ausgehen ein.
Sommer
Ab Juni öffnen die Hochalpenwege, die Tage sind lang, und selbst die Dreitausender werden erreichbar.
Herbst
Klare Luft, kaum Touristen und der Almabtrieb — der Herbst ist heimlich die schönste Wanderzeit im Jahr.
Winter
Wenn die Hochwege ruhen, übernehmen Schneeschuhe die Almwege — kurze Tage, aber eine ganz eigene Stille.
Gut vorbereitet
Der Berg verzeiht Leichtsinn selten. Festes Schuhwerk mit griffiger Sohle, ein Blick auf den aktuellen Wetterbericht und ausreichend Proviant gehören auf jede Tour — auch auf die vermeintlich leichte Runde zur Alm. Wolken, die sich rasch auftürmen, sind ein Grund umzukehren, nicht ein Grund, schneller zu gehen.
Sagen Sie jemandem Bescheid, welchen Steig Sie gehen und wann Sie zurück sein wollen. Im Notfall gilt die Bergrettung unter der Nummer 140 — Österreichs Bergretter sind rund um die Uhr im Einsatz, aber jede Minute zählt. Bleiben Sie auf markierten Wegen, auch wenn die Abkürzung verlockend aussieht.
Und dann ist da noch der Respekt vor der Natur: Weidezäune wieder schließen, Kühe in Ruhe lassen, keinen Müll zurücklassen. Der Lohn für all das ist der Einkehrschwung am Ende — ein Glaserl Buttermilch, ein Kaiserschmarrn, und das gute Gefühl, den Berg mit Respekt behandelt zu haben.
Umkehren ist keine Schande, sondern die älteste Regel der Bergerfahrung.
Bildstrecke
Nebelverhangene Wälder, goldene Gipfel und Hütten, die nach Holzfeuer duften — ein Klick genügt.